Wenn man sich verletzt und statt „Aua“ zu sagen, reflexartig der Ausdruck „Ay!“ den Mund verlaesst, dann ist man angekommen. Wenn man Englisch sprechen moechte, jedoch nur spanische Vokabeln im Kopf rumwirbeln, dann ist man da. Erst gestern musste ich bemerken, dass ich momentan an keinem anderen Ort der Welt sein moechte, da ich das Gefuehl besitze gebraucht zu werden. Ich arbeite nun jeden Tag von halb neun Uhr morgens bis sechs oder sieben Uhr abends. Die Arbeit ist anstrengend, psychisch und physisch, aber sie erfuellt mich.
Mexikanisches Politikverstaendnis und andere regionale Besonderheiten…
Politiker, die Besen an die indigene Bevoelkerung verschenken, obwohl im Radio dazu aufgerufen wird, sich von keinem Kandidaten bestechen zu lassen, Hunde, die mit den verschiedensten Wahlplakaten beklebt werden und somit ungewollt und ungefragt die verschiedensten Wahlversprechen propagieren, die sowieso nicht eingehalten werden, ein zweitaegiges Alkohol-Ausschenkverbot, obwohl nur die Minderheit waehlen geht – So sieht Wahlkampf aus.
Widersprueche bestimmen in Mexiko den Alltag und somit zwangslaeufig auch die Politik, die dringenst nach Veraenderungen und Verbesserungen schreit.
Ich fragte Alejandro, einen Mitarbeiter von Melel, der stets mit vollster Ueberzeugung behauptet, dass er der Grund fuer den Fall der Mauer war und eine Affaere mit Nina Hagen hatte, einen Tag nach der Wahl, wer nun gewonnen hatte und sich Buergermeister von San Cristóbal de Las Casas nennen kann. „Was meinst du? America hat gewonnen und die Pumas haben unentschieden gespielt“, sagte er zu mir. Bei diesen beiden Namen handelt es sich um Fussballvereine, nicht um stadtbekannte Politiker.
„Wenn ich waehlen duerfte, wuerde ich die PAN (Partido de Accion Nacional/Die Partei der Nationalen Aktion) waehlen, denn Brot (pan = Brot) braucht man immer“, so Emiliano, ein Strassenkind in San Cristobal de Las Casas, Chiapas, Mexiko, der mit kindlichem Leichtsinn versucht ueber Politik zu philosophieren. Doch man bekommt leicht den Eindruck, dass die Unwissenheit in diesem Fall keine Altersbeschraenkungen kennt.
Denn POLITIKVERDROSSENHEIT wird in Mexiko groß geschrieben. Man ist unzufrieden, aber aendern kann man in den Augen der meisten Mexikanern nichts.
Offen artikulierter Rassismus…
Wenn man durch die Strassen laeuft, kann es schon einmal passieren, dass man mit einem freundlichen „Look at me bitch“ begruesst wird und ganze Teenie-Maedchen-Gruppen lachend und hysterisch das Weite suchen, sodass man denken koennte, Take That haetten sich zum zweiten Mal getrennt. Zudem werde ich in regelmaessigen Abstaenden gefragt warum ich blaue Augen besitze. Komischerweise kann ich den Menschen nie eine passende Antwort auf diese „berechtigte“ Frage geben. Die Mexikaner leben mit dem Rassismus und dieser wird auch offen artikuliert. Jemand erzaehlte mir, dass sie ihn in seiner Kindheit nie beim Basketball haben mitspielen lassen, da er weiß ist. Man ist hier nun einmal guero (Weißer) oder eben gringo. (Amerikaner) Das Wort gringo hat seinen historische Ursprung. Die gruen gekleideten Militaers wurden freundlich, aber bestimmend, mit dem Ausruf „Green go/Geh Gruener“ gebeten, das Land zu verlassen.
Man kann das Verhalten aber verstehen, wenn man bedenkt, dass der gesamte lateinamerikanische Kontinent Jahrhunderte unter der spanischen Fremdherrschaft zu leiden hatte und die damalige Ausbeutung die Grundvoraussetzungen fuer die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Problematiken geschaffen hat.
„Die Weissen nehmen wir noch mit“ oder ein Wochenende am Atitlansee…
Jeden dritten Monat muessen alle Freiwilligen das Land verlassen und nach Guatemala ausreisen, was ca. 4 Autostunden von San Cristóbal de Las Casas entfernt liegt, um unser Visum zu erneuern. Mitja, ein Mitfreiwilliger und WG -Mitbewohner und ich entschieden das Nuetzliche mit dem Obligatorischen zu verbinden und an den Atitlansee in Guatemala zu fahren. Mich verwundert es immer wieder wie gut man hier reisen kann. Alles scheint unkoordiniert und spontaner, aber man ist schnell im gewuenschten Bus und wird zuegig abgefertigt.
„Die Weißen nehmen wir noch mit“. Diesen Spruch mussten wir wahrnehmen, als wir auf dem Weg nach Guatemala waren und gerade in den sogenannten „Chickenbus“ einstiegen. Chickenbus heißt er wohl, weil man sich wie eine Gruppe von Huehnern in einem eingefaerchten Kaefig fuehlt. Als wir diesen Ausschrei des Busfahrers hoerten, fuehlten wir uns wie in einem alten „Moby Dick“ Film, indem sich der Kapitaen noch in der letzten Sekunde vor Ablegen dafuer entscheidet den taetowierten Farbigen mit Harpune mitzunehmen, in der Hoffnung, dass dieser den großen, weißen Wal erlegt.
Auf der Fahrt wurden vom Militaer die verschiedensten Sicherheitskontrollen durchgefuehrt. Alle wurden kontrolliert, außer die Unauffaelligsten im Bus, naemlich wir um genauer zu sein, welche blonde Haare und blaue Augen besitzen, also dort kaum auffielen. Die Reise von Guatemala nach Mexiko sieht da schon anders aus. Mexiko besitzt innerhalb des Landes weitere Grenzen. Man muss jederzeit mit Passkontrollen rechnen, da man verhindern moechte, dass Auswanderer und Fluechtlinge aus Mittelamerika in die USA auswandern koennen.
An der Grenze angekommen wurden wir von Bergen erwartet, die nicht aufhoerten zu wachsen. Aus dem dampfenden, gruenen, mit Nebel behangenen Selva/Urwald klangen mir nicht bekannte, fremde Vogelstimmen. Auf der mexikanischen Seite der Grenze verlief alles ohne Probleme, was man vom guatemaltekischen Teil nicht behaupten kann. Korruption kann man nicht verhindern, jedenfalls nicht in unserer Situation als Tourist. Man ist ihr vollkommen ausgeliefert und muss es ueber sich ergehen lassen, dass der Grenzbeamte jedem von uns zwanzig Pesos fuer die Kaffekasse abknuepfte. Zum Glueck wurde ich von einem Bekannten ueber alle Tricks der Guatemalteken informiert, weshalb wir andere Touri-Abzockmaschen umgehen konnten.
Aldous Huxley, Autor des Buches „A Brave New World“ sagte, dass der Atitlansee einer der schoensten Seen der Welt sei. Ich kann seine Meinung nur bestaetigen. Das Panorama des Sees wird durch drei fast gleich beschaffene Vulkane komplementiert. Die Farbe des Sees ist stets im Wechsel, er kann insgesamt drei verschiedene Farben annehmen. Zudem existieren diverse Sagen und Mythen ueber den See. Ein Prinz soll im Atitlansee seine Braut verloren haben. Rapide aufkommende Winde werden als seine Suche nach der Braut interpretiert. Wir trafen uns dort mit Jonni und Anna, zwei anderen Freiwilligen, die ihren Dienst in Coban, Guatemala leisten, um Erfahrungen auszutauschen.
Diese Moeglichkeit konnten wir nutzen, da die Feiertage zum „Día de los Muertos“ / Tag der Toten vor der Tuer standen. Natuerlich konnten wir somit die Prozessionen nicht voll und ganz verfolgen, aber alleine die Vorbereitungen waren atemberaubend. In jedem Haus werden Altäre aufgestellt. Das Bild des Toten wird an die Wand gehangen und auf den Altar werden die Lieblingsmahlzeiten des Verstorbenen oder auch andere Dinge, wie z.B. sein Lieblingsschnaps oder seine Lieblingszigarettenmarke platziert. Der Tote soll gefeiert werden und die Menschen leben in dem Glauben, dass der Tote genau diese Nacht zurueck kehrt. Aus diesem Grund wird das Haus festlich geschmueckt, sodass der Tote mit dem besten aller Eindruecke ins Reich der Toten zurueck kehren kann.
Gefeiert wird auf dem Friedhof. Die Menschen versammeln sich auf dem Friedhof, essen und trinken gemeinsam. Natuerlich kann sich die mexikanische Kultur nicht vor dem großen Bruder, den USA, verstecken und natuerlich feiert man hier zusaetzlich zum Tag der Toten das amerikanisch gepraegte Halloween. Die Knickleuchtstaebe, die ich eigentlich fuer die Kinder aus den Projekten mitgebracht hatte, wechselten an diesem Abend schnell ihren Besitzer. Vierzig Kinder standen allesamt bei uns vor der Tuer…Wenn man sie beschenkt, wuenschen sie dir und deiner Familie ein langes und erfuelltes Leben…,falls du nichts im Haus hast, verfluchen sie dich und wuenschen dir, dass du stirbst…
Die Mexikaner haben ein vollkommen anderes Verhaeltnis zum Tot. Man geht viel offener mit ihm um und man erhaelt den Eindruck, dass die Angst vorm Tot kleiner ist als in Deutschland. Der Tod ist Teil des Lebens und man kann sich eben nicht vor ihm verstecken.
Bilder, die man nie vergisst…
Als ich mal wieder mit dem Fahrrad auf dem Weg in die Stadt war, tauchten auf einmal drei Militaerkolonnen auf. Auf jedem Fahrzeug saßen ca. zehn Soldaten, bewaffnet bis auf die Zaehne. Man mag es nicht glauben, aber einer der Maennlichkeiten in Person, packte auf einmal seinen Labello aus, um die taegliche Koerperpflege auch beim Krieg spielen zu betreiben. Ich konnte mich nicht zusammen reißen und brach in Tranen aus, natuerlich vor Lachen.
Die indigene Kultur, unbeschreiblich, unbegreifbar…
Bevor ich in Chiapas ankam, dachte ich, dass die indigene Kultur klar zu definieren sei. Moritz, mein Vorgaenger, sagte mir, dass ich diese Kultur niemals verstehen koenne. Ich glaubte ihm nicht, aber nun muss ich sagen, dass sich seine Worte als die Wahrheit herausgestellt haben.
Die indigene Kultur kann sich nicht vor der Globalisierung verstecken. Das Wichtigste in einem indigenen Haushalt ist nach dem Tisch der Fernseher. Viele von den Kindern, die mit ihren traditionellen Kleidern Artesania verkaufen, kann man manchmal dabei erwischen, wie sie mit ihrem Handy spielen.
Man kann taeglich Indigenas in amerikanische Protzautos einsteigen sehen oder bemerkt, dass Indigenas mal wieder Kosmetikprospekte verschlingen, welch Bilder. Andere wiederum sprechen nur begrenzt Spanisch, da ihnen ein Schulbesuch nicht ermoeglicht werden kann. In San Cristóbal de Las Casas sind es ca. fuenfzig Prozent, die nicht zur Schule gehen koennen. Es ist schon komisch, wenn man auf dem Markt arbeitet, den Kindern Buchstaben beibringen moechte und diese deine Aufgaben fuer andere Kinder uebersetzen muessen, da sie nur indigene Sprachen sprechen.
Norma, unsere Chefin bei Melel erzaehlte uns, dass manche Familien sogar Wohnungen oder Haueser in Cancun und Mexiko-Stadt besitzen. Man kann und darf diese Kultur nicht vergeneralisieren. In ihr sind die verschiedensten Gesellschaftsschichten zu finden, Arm und Reich. Manche verkaufen und arbeiten, da es ihnen Spaß macht, andere wiederum arbeiten, um ueberleben zu koennen. Mitja und ich haben zusammen mit Melel – Mitarbeitern die Colonia Primero de Enero besucht, eine der aermsten Stadtbezirke. Die Straßen bestehen voll und ganz aus Sand. Die Haeser wurden zweckbeduerftig aus Holzplatten zusammengeschustert. Schweine oder andere Nutztiere saeumen die Straße und die Hauseingaenge. Es liegt ein komischer Geruch in der Luft – unbeschreiblich, eine Mischung aus verdorbenen Fleisch und Daempfen, die aus dem Muell entstanden sind, der ueberall verstreut ist. Hunde liegen tot am Straßenrand, bedeckt mit Fliegen, die sich vom Kadaver ernaehren. Alle Bewohner sind indigener Abstammung und viele der Kinder mit denen wir zusammenarbeiten, kommen aus dieser Colonia.
Fruehstueck mit gemischten Gefuehlen…
Sonntags gehen wir haeufig nach Rancho Nuevo. Bei diesem Ort handelt es sich heutzutage um ein Militaergebiet, auf welchem Soldaten ausgebildet werden und Militaeruebungen stattfinden. Es gibt aber auch Bereiche, die extra fuer Familien angefertigt wurden, um dort einen netten, entspannten Tag zu verbringen.
Ich hatte ein komisches Gefuehl in der Magengegend. 1994, waehrend der „zapatistischen Revolution“ wurden genau dort, wo ich gemuetlich gefruehstueckt habe, Menschen getoetet.
Lachen und Weinen, Waerme und Kaelte…
Man koennte das Klima hier vor Ort mit einem Wintersportort in den Alpen vergleichen. Sobald man die Sonne sucht und gefunden hat, kann man sich sehr schnell einen Sonnenbrand einfangen. Die Sonneneinstrahlung ist sehr intensiv. Wenn man sich jedoch in den Schatten begibt, merkt man schnell den Unterschied. Morgens und in der Nacht ist es hier sehr kalt. Mittags brennt jedoch die Sonne. Die Temperaturunterschiede bewegen sich zwischen zwanzig und fuenfundzwanzig Grad.
Die Projektarbeit
Unsere Arbeit bei Melel, dem Straßenkinderprojekt wurde durch das Wetter extrem eingeschraengt. Es gab Tage an denen wir nicht auf die Straße gehen konnten, da der Regen nie aufhoeren wollte. Wenn es in San Cristóbal regnet, dann regnet es. Die Kleidung wird nie trocken und die Naesse scheint Teil des Koerpers zu werden.
Fast alle Aktivitaeten, außer der Filmtag, finden im Park oder direkt vor der Kathedrale statt. Wenn es regnet, koennen die Kinder nicht arbeiten und bleiben zu Hause, helfen ihren Familien bei der Hausarbeit.
Ich arbeite nun auch zusammen mit Antolin, einem Indigenen, auf dem Markt. Man kann dort nur sehr selten Touristen finden, oft bin ich der einzige Weiße vor Ort. Die verschiedensten Fruechte werden angeboten und Raubkopien verkauft. Der gesamte Ort, so scheint es wurde auf Schlamm und Muell errichtet. Die Gerueche wechseln staendig. Helote, ein maisaehnliches Gemuese, der staendig frisch angeboten wird und Muellberge tragen zu diesem Wechsel bei – Indigenas sitzen in ihrer traditionellen Kleidung an ihren Staenden. Alle machen große Augen, wenn ein Weißer von indigenen Kindern begruesst, umarmt und gefragt wird wann die Aktivitaeten denn endlich losgehen wuerden. Die Familien kennen mich und die Kinder kennen allesamt meinen Namen. Mir erscheint es einfacher alleine, als einziger Fremder zu arbeiten, da die Kinder sich schneller an deine Person gewoehnen koennen.
Oft wird nur auf indigenen Sprachen kommuniziert, was fuer mich schwierig ist, da ich in diesem Fall nur als Hilfskraft agieren und kaum aktiv mitarbeiten kann. In letzter Zeit kamen jedoch immer mehr Kinder, die nur dem Spanisch maechtig sind, weshalb die Arbeit komplett in Spanisch gemacht werden muss und ich mich als gleichwertige Lehrkraft fuehle. Die Aktivitaeten haben immer spezielle Ziele und Leitfaeden. Den Kindern sollen ihre Rechte impliziert werden. Sie werden ihnen nicht vorgesetzt, sie sollen sie eigenstaendig beschreiben und artikulieren. Um diese Rechte zu artikulieren werden meistens Zeichnungen angefertigt. Alejandra, eines der Kinder, malte bei dem Thema „Respekt“ einen Regenwald und schrieb dazu: „Verbrennt keine Baeume, sie sind wichtig fuer die Menschheit. Zollt den Waeldern euren Respekt“. Viele Kinder beeindrucken mich. Sie haben in kuerzester Zeit ein riesiges Vertrauen zu mir aufgebaut und moechten mich jederzeit Lehrer nennen. Ich muss ihnen jedoch dazu sagen, dass ich eher ihr Freund bin, der mit ihnen Zeit verbringt und sie dabei die Moeglichkeit bekommen etwas Sinnvolles zu lernen.
In Sueninos laueft nun alles seinen geregelten Ablauf, obwohl das Projekt momentan viele Veraenderungen erfahren muss. Fast alle Freiwilligen, die ein Jahr dort gearbeitet haben, sind nun weg und eine neue Generation entsteht.
Die mexikanischen Erziehungsmethoden sind manchmal schon gewoehnungsbeduerftig. Kopfrechnen wir kaum gelehrt. Bohnen stehen jederzeit bereit, um das Zaehlen und Rechnen zu lernen. Den Kindern wird die Aufgabe gegeben Saetze oder Buchstaben abzuschreiben. Es handelt sich um Auswendiglernen, nicht jedoch um aktives Lernen. Wenn man die Kinder fragt was sie nun eben geschrieben haben, koennen sie nichts anderes tun als unwissend mit dem Kopf zu schuetteln, da sie nie eine Antwort haben. Ich zeigte auf ein A und fragte um welchen Buchstaben es sich handele. Geovanni, eines der Kinder aus Sueninos, antwortete: „Das ist ein A“. „Richtig“, sagte ich und machte Luftspruenge. Meine Freude verflog jedoch schnell wieder, als ich einsehen musste, dass falls man die Reihenfolge der Buchstaben aendert, nach der Meinung der Kinder ein K ein F darstellt. Meiner Ansicht nach muessen wie als Freiwillige versuchen genau dies zu aendern und andere Wege eroeffnen. Dies wird wohl auch moeglich sein, da Sueninos stets versucht das Projekt zu verbessern und fuer gute Vorschlaege haben sie immer ein offenes Ohr.
Viele der Kinder haben sich so an einen gewoehnt, dass sie jederzeit versuchen dich zu kuessen und zu umarmen. Natuerlich ist es schoen mit den Kindern eine enge Beziehung aufzubauen, aber man muss aufpassen, dass die Beziehung nicht zu eng wird. Als Barbara, eine andere Freiwillige, ihren letzten Tag hatte, mussten fast alle Kinder weinen und auch noch heute haben viele der Kinder gemischte Gefuehle.
Diese Naehe kommt in Melel weniger auf. Das Eis zwischen uns und den Kindern zu brechen ist ziemlich schwierig. Sie haben uns nun schon als Teil von Melel respektiert. Jedoch ist es schon frustrierend, wenn man mit den Kindern tagelang ueber das Wort Respekt philosophiert, diese das Gelernte jedoch nicht in die Realitaet umsetzen koennen. Es gab einen Zwischenfall zwischen Mitja, meinem Mitfreiwilligen und Theresa, einem Straßenkind. Beim Spielen machte sie Mitjas Hose kaputt. Natuerlich geschah dies nicht aus Absicht, aber eine Entschuldigung folgte nicht. Theresa glaubte, dass Mitja und Norma auf sie sauer seien, ich konnte aber lange mit ihnen reden und ihr im Speziellen erklaehren, dass niemand auf sie sauer sei, ihr Verhalten jedoch nicht angebracht war. Durch solche Gespraeche wird es mir immer einfacher gemacht das Vertrauen der Kinder zu gewinnen.
Immer oefter sitze ich mit den Kinder vor der Kathedrale und wir haben intensive Gespraeche. Sie erzaehlen mir viele intime und persoehnliche Dinge. Sie erzaehlen dir wer momentan ihre große Liebe ist und betonen dabei immer, dass dies aber ein Geheimnis bleiben muesse.
Man kann die Gruppe nicht als Ganzes sehen. Es gibt viele Rivalitaeten und die Kinder versuchen ihre Machtpositionen zu festigen. Es gibt kaum Kinder, die alleine den Tag verbringen. Die Gruppierungen besitzen spezielle Hirachien.
Ich habe mich nun voll und ganz eingelebt, auch wenn ich sagen muss, dass kaum Freizeit bleibt und ich froh bin, wenn ich einmal Zeit finde meine „Gitarrenkuenste“ auszubauen oder einfach nur ein Buch zu lesen.
Ich hoffe, dass euch dieser Bericht gefallen hat und ich bin immer ueber Rueckmeldungen oder neue Anregungen gluecklich…