Verfasst von: hendrikkussin | J000000Sonntag07 16, 2007

Irgendwann in Mexiko

28.08.2007

 

Irgendwann in Mexiko

Angekommen in Cancún wurden wir von einer Luftfeuchtigkeit ueberrascht, die ausserhalb jeglicher Vorstellungskraft lag. Der Flughafen wimmelte nur so von privaten Sicherheitsbeamten, allesamt hatten gerade vielleicht den Weg zur Pubertaet beschritten. Das erste Problem, dass auf uns zu kam, war, dass Leonie bei der Gepaeckabfertigung ihren Rucksack nicht finden konnte. Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass dieses Problem fundamental für unsere Weiterreise nach Chiapas sein sollte. Wir konnten die Reise nicht antreten. Jegliche Bestechungsversuche ( ich gab dem Kind eines Beamten einen Leuchtstab, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte ) schlugen fehl. Zum Glueck half uns eine Freundin einer Bekannten, die wir waehrend des Fluges kennen gelernt hatten, deren Name mir leider entfallen ist. Wir fuhren mit dem Bus nach playa del Carmen, einem anderen grossen Mekka fuer amerikanische Touristen. Auf der Fahrt zu dem amerikanischen Mallorca. Mexiko erinnert mich an ein laengst vergangenes Amerika. Die Strassen zwischen den grossen Staedten, in denen das Geld regiert, sind allesamt heruntergekommen und werden von gelben Licht, das den Weg auf die Strasse findet, gespeist.

Die Mexikaner, oder wenigstens derjenige Teil dieser grossen Nation, der am Machthebel sitzt, besitzen eine komische Doppelmoral. Auf der einen Seite erbauen sie riesige Hotel – und Kasinokomplexe, die nachts angestrahlt werden und dem Stil der alten traditionellen Mayatempel nachempfunden wurden. Auf der anderen Seite unterdrueckt man genau diese Kultur, die Abkoemmlinge der Mayas, die Indígenas, um den Weg fuer Wachstum zu ebnen. Tradition spielt dann naemlich keine Rolle mehr.

Angekommen in Playa del Carmen wurde uns eines eindeutig. Naemlich, dass sich die Menschen vor Ort vollkommen auf den Tourismus eingestellt haben, was bedeutet, dass man sie abzocken kann. Ich erwaehnte in einem Gespraech mit einer Kassiererin am bahnhoff, dass sie bitte fair mit uns umgehen sollte, da wir Deutsche seien und keine Amerikaner. Brachte aber vollkommen nichts; die Tickets blieben teuer, aber da steckt man nicht drin. Was soll man da machen in einer Stadt, die bestimmt wird durch leichte Maedchen mit genauso leichten wie kurzen Roecken, von Menschen, die dir jegliche Form von chemischen sowie pflanzlichen Drogen andrehen wollen und spaeter beleidigt sind wenn man dankendd ablehnt, und von Kunstpalmen, die mit flouriszierendem Licht den Abendhimmel naehren.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Wir trafen einen Mexikaner, der vor dem Hostel sass, welches uns spaeter den Abend retten sollte.“Habebier“, so sagte er hiess er. Vielleicht auch nur ein Spaesschen, da er fuer mehrere Jaehre die Vorteile des deutschen reinheitsgebot auskosten konnte. Wir gingen zusammen mehrere Corona trinken und schnell wurde eindeutig, dass wir ihm trauen konnten. Er erzaehlte uns ueber seine Vorlieben fuer grosse Frauen, die eben nicht alle von uns teilen konnten. Angekommen im Hostel, erinnerte es mich doch sehr an irgendeine Absteige in Thailand. Ueberall abgeranzte Ventilatoren, eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und schwitzende Koerper auf ebenso verschwitzten Matratzen, die halbnackt irgendwie versuchten die Nacht zu uebestehen.


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